Der Tanzstundenfächer

An English translation you can find at the end of the text.
Der Tanzstundenfächer ist ein hölzener Briséefächer von durschnittlich 18 cm Länge, dessen Vorder- oder Schauseite oft bemalt und dessen Rückseite mit Erinnerungssprüchen, ähnlich einem Poesiealbum, versehen ist. Manchmal ist auch die Bemalung weggelassen worden und Vorder- und Rückseite sind gleichermaßen beschrieben. Die einzelnen Stäbe werden von einem Zugband zusammengehalten und sind am unteren Ende mit einem Dorn, oft mit Beinauge, und einem (Messing-)Bügel miteinander verbunden. Ein Tanzstundenfächer, dessen erste Einträge aus der Tanzstunde stammen, wurde oft noch Jahre später zu diesem Zweck benutzt – auf Schul- oder anderen Bällen. Ebenso gibt es Fächer, die erstmalig bei oder nur zu diesen Bällen im Einsatz waren und somit genau genommen keine Tanzstundenfächer sind.

Was ich über Tanzstundenfächer weiß (bitte gern korrigieren oder ergänzen!):

Entstehungszeit (Deutschland)

Ich habe mal gelesen, dass diese Art Fächer um 1880 in Mode gekommen sein soll. Für diese Zeit gibt Georg Buß in seiner Monographie die Entstehung von Autographenfächern an, deren Besitzerinnen meist fürstliche Hofdamen waren, die fleißig Autogramme der gekrönten Häupter und politischen Prominenz sammelten (Georg Buß: Der Fächer, Verlag von Velhagen und Klasing, 1905). Vielleicht entstand so tatsächlich die Mode, sich Autogramme seiner Tanzstundenpartner zu holen, und hölzerne Fächer eigneten sich dafür besser als Seide oder das Zelluloid, das damals gerade als Ersatz für Elfenbein („French Ivory“) aufkam. Ich habe allerdings noch keinen Tanzstundenfächer gesehen, der vor 1900 entstanden war. Ihre Blütezeit hatten sie wohl in der Zeit um den Ersten Weltkrieg bis in die zwanziger Jahre hinein, als Fächer allgemein langsam aus der Mode kamen. Ich weiß aber auch von einigen aus den vierziger Jahren. Während des Zweiten Weltkriegs galt ein Vergnügungsverbot, das Tanzvergnügen einschloss. Die Tanzschulen in Deutschland waren nach der Schlacht von Stalingrad Anfang 1943 bis Kriegsende 1945 geschlossen.

Mein ältester Autographenfächer übrigens stammt aus den USA und beginnt im Jahr 1869, siehe „Weitere Fächer“ – haben’s die Amerikaner erfunden?

Verbreitung

Es scheint, als hätten die Tanzstundenfächer ihren Ursprung und weiteste Verbreitung im sächsischen Raum gehabt. s5Leider lässt sich nur bei wenigen Fächern direkt ein Hinweis auf ihren Entstehungsort finden. Von manchen weiß ich die Herkunft, weil die Nachfahren wussten, wo die erste Besitzerin des Fächers zur Tanzstunde ging. Jedenfalls habe ich in meiner Sammlung die mit Abstand meisten belegbaren Fächer aus Sachsen, aber auch Fächer aus Bayern, Schlesien, Thüringen, dem heutigen Tschechien und mehrere auch aus Österreich.

Holz

Es wurde oft das Holz von Obstbäumen verwendet, nachweislich Birnbaum beispielsweise. Ein Vorbesitzer, der Holzspielzeugmacher war, versicherte mir, sein Fächer sei aus Lindenholz gemacht. Es gibt auch Tanzstundenfächer mit sehr dünnen Stäben, die am oberen Ende durchbrochen/ausgesägt sind („Découpé“), wobei sie dort meistens beschädigt sind, deren Holz beinah wie Pappe wirkt.

Ich habe mich einige Zeit gewundert über Tanzstundenfächer, die in ihrem – ungewöhnlich massiven – Deckstab eine senkrechte Bohrung hatten – ein Nagelloch? Ein Holzwurm, genau in der Mitte? Dann erwarb ich einen Tanzstundenfächer, an dessen Bügel ein kleiner, sehr schmaler Bleistift aus Zedernholz angebunden war – er passte in das Loch im Deckstab! Eine praktische Sache zweifellos, nur dass die Bleistifte bei stetem Gebrauch verschwanden, im Gegensatz zu den Fächern glücklicherweise.

Bemalung

Eine Sammlerin erzählte mir, die Fächer wurden unbemalt in der Tanzstunde verschenkt, und sämtliche Bemalung stammte von den Besitzerinnen oder den Tanzstundenherren. Einige Eintragungen sind mit Zeichnungen verziert, die tatsächlich auf große Zeichentalente unter den Herren verweisen. Und es gibt auch Bemalungen, die eindeutig von ungeschulter Hand geschaffen wurden. Trotzdem, viele Fächer sind sehr professionell bemalt, mitunter auch etwas nachlässig, wie Massenproduktion. Aber es gibt auch zahlreiche unbemalte Fächer.

Ich habe in alten Zeitungen dieser Zeit vergeblich nach Anzeigen für – bemalte oder unbemalte – Holzfächer gesucht. Wo wurden diese wohl hergestellt und ver- bzw. gekauft? Importe aus Fernost? Und waren sie Geschenke der Familie zur ersten Tanzstunde, oder gab die Tanzschule die Fächer aus?

Einer dieser von Georg Buß erwähnten hochherrschaftlichen Autographenfächer (1881 – 1886) wird bei einem Auktionshaus beschrieben; erwähnt wird u. a., dass er aufbewahrt wird „im Originaletui“ eines namhaften Herstellers, der dann also offenbar auch schlichte unbemalte Lindenholz-Briséefächer gefertigt oder jedenfalls verkauft hat.

Quelle: ZLB (https://www.google.de/search?q=F%C3%A4chermacher+berlin&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=2R4WV9bABYaHgAaN35aYCA)

rechts: aus dem Berliner Adressbuch von 1890 –  Dutzende von Adressen von Fächermachern/-händlern, sehr viele angesiedelt zwischen Friedrichstraße und Fischerinsel, rund um den Hausvogteiplatz, das Modezentrum Berlins (Quelle: ZLB
(https://www.google.de/search?q=F%C3%A4chermacher+berlin&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=2R4WV9bABYaHgAaN35aYCA)

 

 

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The dance lessons fan is a wooden brisé fan of mostly 18 cm (7 inches) length, whose front or visible side is often painted and the back side is decorated with memory sayings, like a poetry album or an autograph book. Sometimes the painting has been omitted and the front has been written on too. The sticks are held together by a band and are connected at the lower end with a mandrel and a loop around. A dancing lessons fan whose first entries come from the dance lessons was often used for years to come for this purpose – to school or other graduation ball. Similarly, there are fans that were for the first time at or just to these balls in use and therefore not strictly dance lessons fans are . 

What I know about dance lessons fans (please feel free to correct or supplement!) : 

Time of origin (Germany)

I once read that this type of fans to have come around 1880 into vogue. For this time Georg Buss described in his monograph the origin of autographs fans whose owners were mostly illustrious ladies, and they gathered the autographs of the crowned heads and political VIPs (Georg Buss: The subjects, published of Velhagen and Klasing, 1905). Maybe so actually originated the fashion to get their autographs his dance lessons partners, and wooden sticks were suitable for better than silk or the celluloid, which was then just as a substitute for ivory („French Ivory“) emerged. However, I have never seen a dance lessons fan that had arisen before 1900’s. Their heyday they had probably in the period around the First World War until the twenties, as fans generally slowly went out of fashion. But I also know dance lessons fans from some of the forties. During the Second World War was a pleasure ban, dance pleasures included. The dance schools in Germany were closed in early 1943 after the Battle of Stalingrad until the war ended in 1945.

Incidentally my oldest autographs fan comes from the US and begins in 1869, please see „Weitere Fächer“ – dit the Americans invented the dance lessons fan?

The geographical extension 

It seems that dance lessons fans would have had its origin and widest distribution in Saxony. Unfortunately not very often you can find an indication of its origin. From some fans I know the origin, because the descendants know where the first owner of the fan for dance lesson went. Anyway, I have in my collection , the most by far assignable subjects from Saxony, as well as subjects from Bavaria, Silesia, Thuringia, now the Czech Republic and several also from Austria. 

Wood 

It was often the wood of fruit trees used, demonstrably pear for example. A previous owner, who was wooden toy maker, assured me that his fan was made ​​from linden wood. There are also dance lessons fans with very thin sticks, which are pierced at the upper end („Découpé“), where they are there mostly damaged, the wood seems almost like cardboards. I have been wondering for some time about dance lessons fans that have a vertical hole in its guard stick: a wood worm, exactly in the middle? Then I bought a dancing lessons fan – at its loop a small, very narrow pencil was tied. It fits into the hole in the guard stick! A practical matter no doubt. Only that the pencils disappeared in constant use, unlike the fans fortunately . 

Ornamental painting 

A collector told me that fans were unpainted presented in the dance lesson, and every painting was from the owners or the dance lessons gentlemen. Some fans are decorated with drawings that actually refer to great signs talents. And there are also paintings that were created obvious by untrained hands. Nevertheless, many fans are painted very professional, sometimes a little careless, as mass production. But there are also numerous unpainted subjects.  

 

I have not found in old newspapers from that time advertisements for wooden fans, painted or pure. Where they found them? Imports from the Far East? And were they family gifts to the first dance lesson, or spend the dance school the fans? One of those mentioned autographs fan like by Georg Buß mentioned (1881 – 1886) is described at an auction house; mentioned among other things that it is kept „in the original case“ of a renowned manufacturer in Berlin, that has so obviously then manufactured simple unpainted wooden brisé fans or at least sold.

 

Ein Gedanke zu „Der Tanzstundenfächer

  1. Hi. I am not sure if this is Ute I am speaking to? My name is Elaine and for many years I have been writing to and sharing poems with your father, Hans. Last year he felt no longer able to correspond, but I promised to continue sending a letter and poems. I am wondering how he is? and your mother too? I have your card that your father sent to me many years ago I think. Please… if this is not the right person will you let me know. I have valued his letters and friendship over the years.
    Best wishes Elaine
    PS – I cannot read German…. but can translate with the help of the Internet!

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